Digitale Trends

New Work: (Über-)Leben in der neuen Arbeitswelt

Von Michèle Ullmann

20.06.2022

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In unserer Blog-Serie «5 Fragen an» stellen wir Meinungsträger und Führungspersönlichkeiten Fragen zu Themen der digitalen Transformation. Ursula Oehy Bubel, Rektorin der Höheren Fachschule für Tourismus Graubünden, stellt sich den Fragen zur Digitalisierung in der Bildung, und im Tourismus und erklärt, wie sie die Studenten auf das Berufsleben vorbereiten.

Was schätzt du persönlich als die grösste Herausforderung in punkto Digitalisierung ein?

«Im kleinen Stil ist meines Erachtens die grösste Herausforderung, das gesunde und sinnvolle Mass zu finden. Da die HFT Graubünden seit jeher einen sehr hohen Qualitätsstandard hat in der Ausbildung von Fachkräften im Tourismusmanagement und im Marketing, gibt es die Verführung, zu vielen primär digital-gesteuerten Unterrichtsmöglichkeiten zu verfallen, die zwar vermeintlich finanziell attraktiv sind, aber die Lernqualität senken. Im Grossen stellt sich mir die Frage, wie wir als Gesellschaft zukünftig die Energie für die rasant wachsende digitale Welt bereitstellen möchten.»

Wie geht ihr als HFT Graubünden diese Herausforderungen an?

«Mit einem gesunden Augenmass! Ab diesem Sommer haben die Studierenden im Praktikum – übers Jahr verteilt – diverse Online-Kurse im Bereich der digitalen Marketingkompetenzen. Sie transferieren das Wissen direkt in den Betrieb und reflektieren das Erarbeitete mit den Dozierenden wieder. Hier ist der Transfer in die Praxis dank der Digitalisierung viel effektiver, zeit- und ortsunabhängiger und individualisiert. Chatfunktionen ermöglichen rasche Beantwortungen von kurzen Fragen. Auch in der Verwaltung bringt die Digitalisierung enorme Vereinfachungen. Andererseits haben wir nach fast zehn Monaten Online-Unterricht ganz klare Signale der Studierenden, dass sie lieber und besser zusammen im Klassenzimmer lernen. Die Begeisterung der Dozierenden wird besser vermittelt, die Studierenden werden umfassender wahrgenommen und nicht zu unterschätzen: Die vielen wertvollen Gespräche, die vor- oder nach dem Unterricht beim «Stehenbleiben im Türrahmen, an der Kaffeemaschine, draussen» stattfinden. Menschen lernen von Menschen und das braucht zwischenmenschliche Aufmerksamkeit.»

 

Inwiefern hat die Pandemie einen Einfluss auf die Digitalisierung der Bildungsbranche?

«Die Pandemie hat einen grossen Schub ermöglicht und den Weg in die Digitalisierung für viele Ausbildungsstätten massiv beschleunigt. Die Lernkurve war enorm steil in den letzten Jahren, auch bei uns. Die Anbieter haben nun eine Ahnung davon, was, wann, wie und mit wem funktioniert und was nicht. Und sie können ihre Geschäftsmodelle darauf ausrichten. So gibt es berufsbegleitende Höhere Fachschulen im Tourismus (welche in der Regel in urbanen Gebieten anzufinden sind), welche den Studierenden konsequent hybriden Unterricht ermöglichen, was in so einem Fall durchaus sinnvoll ist. Wir haben einen Vollzeitlehrgang. Unsere Studierenden entscheiden sich, nebst den Arbeitseinsätzen, während mindestens zwei Jahren rund 40 Wochen im Engadin zu leben. Sie verlegen ihren Lebensmittelpunkt in die Mitte einer Erholungslandschaft, um daneben maximal viel Zeit für das Lernen und die Ausbildung zu haben. Es ist eine Fokussierung sondergleichen. Hier macht hybriden Unterricht per se keinen Sinn.»

Was nervt dich am meisten an der digitalen Transformation?

«Dass wir uns manchmal so verhalten, als gäbe es keine systemrelevanten Abhängigkeiten. Gerade im Transport- und Logistikbereich wurden wir durch den Ausfall der Luftüberwachung bei SkyGuide wieder eindeutig daran erinnert. Aber sich auch im Kleinen die Frage zu stellen: «Wozu ist man fähig, wenn der Strom ausfällt? Kann man noch bezahlen, sich bewegen, Zugang erhalten, kommunizieren?»

Was tut die HFT Graubünden spezifisch, um die Studierenden auf die digitale Transformation vorzubereiten?

«Wir schulen einerseits stark in den tourismusrelevanten digitalen Kompetenzen, investieren aber gleichsam in die Ausbildung von Selbstmanagement- und Sozialkompetenzen. Es ist uns wichtig, dass die Studierenden fundierte und reflektierte Entscheidungen treffen und verschiedene Variablen berücksichtigen. Dazu braucht es auch gute Fähigkeiten in der Analyse von Aufgaben. Marc Tischhauser hat im letzten Blog erwähnt, wie es ihn stört, dass gerade im Tourismus viele Akteure das Gefühl hätten, sie müssten eigene Lösungen programmieren für Herausforderungen, die bereits gelöst sind. Genau solche Entwicklungen versuchen wir zu vermeiden, indem wir den Studierenden beibringen, wie man Herausforderungen sinnvoll anpackt.»

Über Ursula Oehy Bubel

Ursula Oehy Bubel ist seit 2019 Rektorin und seit 2009 Dozentin und Praktikumsbetreuerin an der Höheren Fachschule für Tourismus (HFT) Graubünden, welche Teil der Academia Engiadina AG in Samedan ist. Sie hat Publizistik und Wirtschaftswissenschaften in Zürich studiert, und ist nebst diversen Weiterbildungen im Bildungswesen ausbildete Mediatorin. Nebst ihrem Engagement an der HFT Graubünden ist sie bei der I-K-T GmbH tätig, welche Trägerschaften in der Entwicklung von Rahmenlehrplänen für Höhere Fachschulen begleitet. Zuvor arbeitete sie im Touroperating Fernreisen bei Hotelplan Schweiz sowie in der Notfallassistance bei Medicall.»

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